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4 Wochen Krankenhaus in Österreich

Ich bin Jessica Neid, 21 Jahre alt und mache die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin an der Louise von Marillac-Schule in Köln.

Meine Schule bot an, dass wir im zweiten Ausbildungsjahr einen Krankenhaus Einsatz im Ausland machen können und ich entschied mich dafür, die Chance zu nutzen. Durch die immer noch aktuelle Corona-Situation stand der Einsatz lange auf der Kippe, konnte aber dann doch stand finden und ich war 4 Wochen in Österreich in der Stadt Linz.

Das Kepler Universitätsklinikum, in dem ich gearbeitet habe, besteht aus vier Med. Campussen, wobei Med Campus 1 und 2 die Geschäftsführung und die Forschungsabteilung sind und Med. Campus 3, 4 und der Neuromed-Campus die Eigentlichen Krankenhausabteilungen.  Insgesamt sind ca.1830 Betten im Krankenhaus und ca.6500 Mitarbeiter. Ich habe auf der Kinderchirurgie 1, welche im Med. Campus 4 ist gearbeitet.

Die Patienten dort waren alle im Alter von ein paar Tagen bis zu 18 Jahren. Bis zum Alter von 12 Jahren durfte ein Elternteil als Begleitperson mit aufgenommen werden und bei dem Kind mit im Zimmer schlafen. Die Station besteht aus 26 Betten in 17 Zimmern, die aufgeteilt sind in 4 Bereiche a 4-5 Zimmer. Für einen Bereich ist in der Regel immer eine diplomierte Krankenschwester (examinierten Krankenschwestern mit abgeschlossenem Studium) und eine Hilfskraft (Pflegeassistenten, Auszubildende, Praktikanten o.ä.) zuständig. Da ich hier in Deutschland noch auf keiner Kinderstation war, ist der direkte Vergleich schwierig, aber im Vergleich zu einer Normalstation ist das Personal in Österreich deutlich mehr.

Die Schichtzeiten waren definitiv anders als hier, da in Österreich 40 Stunden pro Woche vorgeschrieben sind und teilweise 12 Stunden Schichten gemacht werden. Ich hatte aber immer 8,5 Stunden Dienste und habe von Montag bis Freitag gearbeitet und hatte das Wochenende immer frei. Der Frühdienst ging von 6:30 Uhr bis 15:00 Uhr und der Spätdienst von 10:30 bis 19:00 Uhr.

Der Tagesablauf ist recht ähnlich zu dem hier. Um 6:30Uhr fand die Übergabe statt, im Anschluss wurden die Kurven durchgeschaut und die Infusionen/ Antibiotika vorbereitet. Dabei musste ich mich erst an die deutlich kleineren Mengen der Medikamente gewöhnen, was für die Kinder immer anhand des Körpergewichtes oder nach Anordnung speziell ausgerechnet werden musste. Im Anschluss daran wurden die Patienten und Begleitpersonen geweckt, bei den Kindern wurde einmal Fiebergemessen, bei Bedarf wurden Sie bei der Pflege unterstützt (obwohl dies meist die Eltern übernommen haben) und im Anschluss gab es Frühstück, was sich in der Stationsküche abgeholt werden durfte. Ab 8/8:30 Uhr kam immer die Visite, bei der durch jedes Zimmer gegangen wurde und der aktuelle Zustand und die geplante Therapie, anstehende OP etc. besprochen wurde. Im war meistens für uns Zeit für eine kleine Frühstückspause. Um 10:30 Uhr kam der Spätdienst, es wurde eine Übergabe gemacht und im Anschluss dann die Mittagsantibiosen/ -infusionen hergerichtet. Die Mittagspause für den Frühdienst war meistens gegen 12:00 Uhr und der Spätdienst hat gegen 12:30 Uhr Pause gemacht. Um 13 Uhr hat dann meistens die Mittagsvisite stattgefunden, dabei wurden zuerst im Dienstzimmer alle Patienten nochmal besprochen und im Anschluss nur in die Zimmer gegangen, wo sich etwas zum morgen geändert hatte oder der Bedarf einer Visite da war. In den Zeiten zwischen den „festen Punkten“ wurde erledigt was im Tagesverlauf so anfiel (Entlassungen/ Neuaufnahmen ausarbeiten, Antibiosen/ Infusionen erneuern/ anhängen; Pat. zu Untersuchungen oder in den OP bringen, etc.).

Da dort eine Diplomierte Schwester zusammen mit einer Hilfskraft für „nur“ vier bis fünf Zimmer zuständig war (nicht wie hier teils für 10-15 Zimmer), war das Arbeiten dort deutlich entspannter, allerdings auch ungewöhnlich ruhig und ich wusste teilweise nicht was ich machen sollte, weil es einfach nichts zu erledigen gab. In der Zeit wurde dann meistens zusammen Kaffee getrunken und geredet, was auch sehr angenehm war. Was Corona-Regelungen angeht war es nicht anders als hier: Also Maskenpflicht in Gebäuden, Bahnen etc. und auf Station war es sogar ab meiner zweiten Woche dort Pflicht einen FFP2 Mundschutz zu tragen.

Ich wurde von dem Team der Station super aufgenommen, mir wurde echt viel gezeigt und beigebracht, vor allem was Perfusoren und Infusomaten angeht, da ich diese bisher wenig benutzt habe, da die bei Erwachsenen eher seltener genutzt werden als bei Kindern.

Sprachlich hatte ich wenig Probleme. Ich fand es in der ersten Woche deutlich anstrengender die Leute zu verstehen, aber es wurde zunehmend leichter und es wurde von Allen Rücksicht genommen, wenn ich öfter nachgefragt habe oder Worte nicht direkt verstanden habe.

Gewohnt habe ich in einem Zimmer im Schwesternwohnheim, was direkt neben dem Krankenhaus war. Das Zimmer war möbliert, ich hatte mein eigenes Bad und einen Kühlschrank. Eine Küche gab es im ganzen Wohnheim nicht, aber mittags habe ich meistens im Krankenhaus gegessen und von der Station konnte ich mir einen Wasserkocher und Geschirr leihen, sodass Abendessen und Frühstücken in meinem Zimmer kein Problem waren. Im Keller des Wohnheims war eine kleine Waschküche und ein Gang führte direkt unterirdisch zu den Umkleiden des Krankenhauses, was sehr praktisch war.

In meiner Freizeit bin ich viel durch Linz gefahren oder gegangen und habe mir die Stadt angeschaut. Ich war in ein paar Museen, habe an einer Graffiti- Führung teilgenommen, in dessen Anschluss ein kleiner Workshop war, bei dem ich auch selbst an eine Wand sprayen durfte.  Zudem war ich im Zoo, im botanischen Garten, am See, auf dem Pöstlingberg, von dem man eine schöne Aussicht auf Linz hat oder habe mich einfach an die Donau gesetzt und bei dem wirklich guten und warmen Wetter was ich hatte ein Eis gegessen oder entspannt ein Buch gelesen. Auch die Leute in der Stadt waren total lieb, offen und aufgeschlossen, wenn man mal nach dem Weg oder einem Laden gefragt hat. Woran ich mich aber gewöhnen musste war, dass alle Geschäfte da um 18:30 Uhr und Lebensmittelläden um 19:30 zumachen.

Insgesamt fand ich meine Zeit dort super schön, konnte einige neue Erfahrungen sammeln und würde es jedes Mal wieder machen.

 

 

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